Der Einsatz von KI bei der Erstellung von Musikaufnahmen ist aktuell ein großes Thema in der Musikindustrie, wobei Fragen zum Urheberrecht, Streaming-Betrug und daraus resultierender Umsatzverlagerung (um nur einige zu nennen) noch nicht abschließend geklärt sind. Als Vertriebsdienst ist MusicHub direkt von den sich entwickelnden Standards der digitalen Dienstleister (DSPs), der Rechtsunsicherheit und den Herausforderungen bei der Qualitätskontrolle betroffen. Dieser Artikel stellt den derzeitigen Standpunkt und die Vorgehensweise von MusicHub zu diesem Thema dar.
Gleichzeitig ist es wichtig zu erkennen, dass sich diese Situation ständig weiterentwickelt, sodass dieser Artikel als ein lebendes Dokument zu betrachten ist, das bei Bedarf aktualisiert wird.
Wir verstehen auch, dass diese Situation für Künstler verwirrend und frustrierend sein kann, und wir können nachvollziehen, dass wir nicht alle zufrieden stellen können. Wir bitten daher um Geduld und Verständnis für die Entscheidungen, die wir getroffen und die Prozesse, die wir eingeführt haben.
Warum wir bei KI einen vorsichtigen Ansatz verfolgen
KI-Tools, die komplette Musikaufnahmen generieren können, werfen ungelöste Fragen in Bezug auf Urheberrecht, Nutzungsrechten und Einhaltung von Vorgaben von Plattformen auf. Streaming-Plattformen erwarten von den Vertrieben, dass sie sicherstellen, dass Releases strengen Formatierungs- und Inhaltsstandards entsprechen. Vollständig oder überwiegend KI-generierte Aufnahmen erfordern zusätzliche Prüfungen und sind komplexer zu klären.
Gleichzeitig führt die Einfachheit und Geschwindigkeit der KI-Musikgenerierung dazu, dass diese Einreichungen in großem Umfang eingehen können, was für Vertriebe ein nicht handhabbares Volumen zur manuellen Bewertung und Verarbeitung unter Einhaltung der Qualitätsstandards darstellt. Die Rechtslage in Bezug auf Urheberschaft, Lizenzrechte und Schutzfähigkeit ist auch hinsichtlich der Rechte an KI-generierten Aufnahmen unklar, insbesondere wenn der menschliche Beitrag gering ist.
Aus diesen Gründen hat MusicHub für einen vorsichtigen, nachhaltigen Ansatz entschieden. Unsere Richtlinie zielt darauf ab den Erwartungen der Plattformen zu entsprechen, beschränkt das Einreichungsvolumen effektiv, reduziert rechtliche Risiken und stellt sicher, dass menschliche Beiträge zum Musikschöpfungs- und -Produktionsprozess zentral bleiben. Sollten sich Branchenstandards ändern, werden wir unsere Richtlinie entsprechend überprüfen und aktualisieren.
KI-Inhaltsrichtlinie von MusicHub
MusicHub akzeptiert keine Releases, bei denen KI-generierte Audiodateien einen wesentlichen oder überwiegenden Teil der Aufnahme ausmachen. In der Praxis umfasst dies Fälle, in denen die meisten zentralen musikalischen Elemente (wie Lead-Gesang, Lead-Melodien, primäre Harmonien oder Gesamtinstrumentalbegleitung) durch KI generiert werden.
Der Einsatz von KI für nicht-generative technische Prozesse – wie Audio-Mastering, Rauschunterdrückung, Restaurierung oder Tonhöhenkorrektur – gilt dagegen als Standard in der Produktion und verstößt nicht gegen diese Richtlinie.
Was das in der Praxis bedeutet:
Was wir nicht akzeptieren:
Vollständig oder überwiegend KI-generierte Songs:
Aufnahmen, bei denen die meisten oder alle musikalischen Teile (Gesang oder Instrumentalparts) mit KI-Tools erstellt wurden, auch wenn man sie mit Nicht-KI-Elementen (wie einer Gesangslinie oder einem Gitarrensolo) kombinierst.
KI-generierter Gesang:
Alle Aufnahmen, bei denen der Lead-Gesang von KI generiert wurde, einschließlich KI-generierter Gesangs-Samples, die als primäre Gesangslinie verwendet werden.
Aufnahmen, bei denen der hörbare musikalische Inhalt überwiegend KI-generiert ist:
Zum Beispiel, wenn die meisten Spuren von Backing-Tracks, Hauptmelodien oder tragenden harmonischen Inhalte von KI erstellt wurden.
Hinweis: Das Bearbeiten oder Verarbeiten von KI-generierten Teilen (wie KI-generierten Stems, Samples usw.) ändert nichts an der Natur dieser Teile, die weiterhin KI-generiert sind.
Was wir akzeptieren:
Einsatz von KI für Produktionsprozesse
Wir akzeptieren den Einsatz von KI als unterstützendes Werkzeug für verschiedene nicht-generative Produktionsprozesse wie Mischen, Mastern, Bearbeiten oder Klangverbesserung.
Einsatz von KI zur Erzeugung bestimmter Instrumentalparts
Wir akzeptieren den Einsatz von KI zur Erzeugung einzelner Instrumentalelemente (z. B. eines Kick-Drum-Patterns, einer Pad-Fläche oder einer einzelnen Texturen), solange die KI-generierten Audiodaten nur eine unterstützende Rolle überwiegend menschlicher Elemente der Gesamtaufnahme spielen. Die musikalische Identität des Tracks (z. B. Lead-Melodie, Kernharmonie oder Hauptgroove) darf nicht überwiegend KI-generiert sein.
Erkennungs- und Überprüfungsprozess
Um die Einhaltung unserer Richtlinie sicherzustellen, nutzt MusicHub sowohl automatisierte als auch manuelle Prüfverfahren, um potenziell KI-generiertes Material zu identifizieren.
Jede Einreichung wird mit Hilfe von automatisierten Erkennungssystemen analysiert, die die Wahrscheinlichkeit bewerten, mit der eine Aufnahme KI-generiert ist.
Veröffentlichungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für KI-generierte Inhalte werden für eine zusätzliche Überprüfung durch das Content-Team von MusicHub markiert. Der Wahrscheinlichkeitswert dient als erster Risikoindikator, nicht als endgültiger Nachweis, und wird als ein Indiz im Rahmen einer umfassenden Gesamtbewertung verwendet.
Unser Ziel ist es, Releases herauszufiltern, bei denen KI den Großteil der hörbaren kreativen Arbeit leistet, aber andererseits eine begrenzte, unterstützende Verwendung von KI-generierten Teilen zulassen.
Prüfentscheidung
Nach der Überprüfung:
Wenn eine Aufnahme gegen die KI-Richtlinie von MusicHub verstößt, wird sie abgelehnt und nicht veröffentlicht.
Wenn die Aufnahme den Richtlinien entspricht, durchläuft sie den üblichen Veröffentlichungsprozess.
Die Entscheidungen sind endgültig, es sei denn, der Künstler reicht eine schriftlich substantiierte Beschwerde ein, wie unten beschrieben.
Ausnahmen und Beschwerdeverfahren
Uns ist bewusst, dass sich individuelle, kreative Arbeitsabläufe unterscheiden und dass Fehlalarme und -entscheidungen möglich sind. Nutzer, die der Meinung sind, dass ihr Release zu Unrecht abgelehnt wurde, können unter den folgenden Voraussetzungen eine Überprüfung beantragen:
Antragsfrist
Der MusicHub-Nutzer muss sich innerhalb von sieben (7) Tagen nach Erhalt der Mitteilung der Ablehnung an den MusicHub-Support wenden, um das Beschwerdeverfahren einzuleiten. Dieses Beschwerdeverfahren besteht aus zwei Elementen: dem Formular zur Offenlegung der KI-Nutzung und demEinreichen von Belegen.
Formular zur Offenlegung der KI-Nutzung
Um eine erneute Prüfung zu beantragen, musst du das Formular zur Offenlegung der KI-Nutzung ausfüllen, in dem du angibst, ob und wie KI-Tools bei der Aufnahme verwendet wurden. Das Formular enthält Fragen zu deiner KI-Nutzung, zum Gesang, zu den musikalischen Kernelementen, zu menschlichen Beiträgen, zu begleitenden Instrumentalparts und zu Postproduktionsprozessen.
Belege
Als Nachweis dafür, dass keine KI zur Erzeugung des Gesangs oder der zentralen Melodieteile verwendet wurde, verlangen wir in der Regel einen Videobeweis, aus dem hervorgeht, dass diese Elemente nicht mit KI erstellt wurden, sondern eingesungen oder eingespielt wurden. Der Videobeweis muss den folgenden Richtlinien entsprechen:
Das Video muss mit einem Mobiltelefon aufgenommen worden sein.
Es darf nur den Originalton aus dem Video enthalten.
Der Sänger oder Instrumentalist muss so positioniert sein, dass sein Mund und/oder seine Hände und sein Instrument sichtbar sind.
Im Hintergrund darf keine Begleitmusik gespielt werden.
Der Ton des Videos darf in keiner Weise bearbeitet oder verändert worden sein.
Bei Produktionen, die mit MIDI erstellt wurden, bitten wir dich möglicherweise auch, die MIDI-Dateien für jeden Track zusammen mit einer exportierten WAV-Datei für diesen Track einzureichen.
Zusätzliche Nachweise (optional)
Zusätzlich zum Video kannst du auch Folgendes einreichen:
Ein Video-Walkthrough des DAW-Projekts und/oder
unbearbeitete Audiodateien (Stems) aus dem Projekt.
Schriftliche Erklärungen und Screenshots können als ergänzender Kontext berücksichtigt werden, ersetzen jedoch keine audiovisuellen oder projektbezogenen Nachweise.
Alle eingereichten Materialien werden:
sicher gespeichert
nicht außerhalb des Bewertungsprozesses weitergegeben oder verwendet
innerhalb von 48 Stunden nach der endgültigen Entscheidung gelöscht.
Neubewertung
MusicHub wird das Release anhand folgender Kriterien neu bewerten:
dem Formular zur Offenlegung der KI-Nutzung,
allen eingereichten Video- oder Projektdatei-Nachweisen und
den ursprünglichen Erkennungsdaten und Anmerkungen der Prüfer.
Wenn die neuen Informationen glaubhaft zeigen, dass das Release nicht gegen diese Richtlinie verstößt, kann die Entscheidung revidiert werden.
Weitere Ausnahmen
MusicHub ist sich bewusst, dass KI-Tools Menschen neue Möglichkeiten eröffnen können, die sonst aufgrund einer Behinderung oder anderer erheblicher Hürden nicht an der Musikproduktion teilnehmen könnten. In solchen Fällen sind wir offen für Einreichungen, bei denen auf dieser Grundlage eine Ausnahme beantragt wird.
Diese Fälle werden individuell geprüft und offen sowie mit Einfühungsvermögen behandelt. Eine Ausnahme können wir jedoch nicht garantieren; unser vorrangiges Ziel bleibt die Einhaltung der Grundprinzipien dieser Richtlinie.
